
«Jede zweite Ehe wird geschieden.» Den Satz kennt jeder, und fast niemand weiss, woher er stammt. Für die Schweiz gibt es eine Quelle, die jede einzelne Scheidung seit 1876 zählt: das Bundesamt für Statistik (BFS). Also habe ich nachgeschaut.
Das Ergebnis vorweg: Der Satz stimmt nicht mehr. Es sind zwei von fünf Ehen, nicht jede zweite. Dafür stimmt etwas anderes, das kaum jemand weiss: Geschieden wird immer später. Jede dritte Scheidung trifft heute ein Paar, das 20 Jahre oder länger verheiratet war.
Die wichtigsten Werte des BFS zu Scheidungsziffer, Ehedauer, Alter und Kantonen. Rechts dieselben Zahlen als Infografik, zum Teilen und Einbinden.
| Scheidungsziffer 2025 | 39,1 % provisorisch, 2024 waren es 39,8 % |
|---|---|
| Scheidungen 2025 | 15’765 2,2 % weniger als im Vorjahr |
| Rekordjahr | 2010: 54,4 % 22’081 Scheidungen |
| Zum Vergleich 1970 | 15,4 % 6’406 Scheidungen |
| Höchster Kanton 2024 | Wallis, 51,6 % 1984 waren es 15,9 % |
| Tiefster Kanton 2024 | Uri, 19,1 % bei nur 33 Scheidungen |
| Ehedauer bei der Scheidung | 15,8 Jahre 1970 waren es 11,6 |
| Häufigstes Scheidungsjahr | 7. bis 9. Ehejahr eigene Auswertung |
| Nach 20 oder mehr Ehejahren | 32,5 % der Scheidungen 1970 waren es 15,5 % |
| Alter bei der Scheidung | Männer 50,8, Frauen 46,2 1984: 40,8 und 37,3 |
| Mit minderjährigen Kindern | 48,5 % 12’567 betroffene Kinder |
| Zweite Chance | 24,2 % der Heiraten mit mindestens einer geschiedenen Person |
| Geschiedene in der Schweiz | 829’453 Zivilstand, 2025 |
Quellen: BFS, BEVNAT und STATPOP, Tabellen zu Scheidungen 1970 bis 2025; Medienmitteilung vom 18.06.2026. Anteile und Summen nach Ehedauer: eigene Berechnung.

Das BFS rechnet mit der «zusammengefassten Scheidungsziffer». Sie beantwortet eine einfache Frage: Wenn sich alle Paare so verhalten wie im Beobachtungsjahr, wie viele Ehen werden dann irgendwann geschieden? Für 2025 lautet die Antwort 39,1 %. Das BFS schreibt es so: «rund zwei von fünf Ehen».
In absoluten Zahlen: 15’765 Scheidungen im Jahr 2025, 2,2 % weniger als im Vorjahr. Seit 2011 liegt die Zahl laut BFS jedes Jahr zwischen 15’500 und gut 17’000. Von einem Anstieg kann keine Rede sein.

Woher kommt der berühmte Satz? Aus den Nullerjahren. 2005 lag die Scheidungsziffer bei 52,6 %, und 2010 kam der Rekord: 54,4 % und 22’081 Scheidungen. Laut BFS sind diese Spitzen eine Folge von Änderungen im Scheidungsrecht: Im Jahr 2000 trat das neue Recht in Kraft, 2004 wurde die Trennungsfrist von vier auf zwei Jahre verkürzt.
Seit 2011 pendelt der Wert zwischen 38 % und 43 %. Der langfristige Anstieg ist trotzdem eindrücklich: 1960 waren es 13 %, 1970 rund 15 %, 1980 schon 27 %, 1990 dann 33 %.
Noch ehrlicher als die Jahresziffer ist der Blick auf echte Jahrgänge. Von den Paaren, die 1991 geheiratet haben, waren nach 30 Jahren 44,6 % geschieden. Beim Heiratsjahrgang 1960 waren es 16,9 %. Und die jüngeren Jahrgänge halten besser: Nach fünf Jahren waren 11,7 % der Paare von 1991 geschieden, aber nur 5,7 % der Paare von 2019.
| # | Kanton | Scheidungsziffer 2024 | Scheidungen 2025 | Anteil Geschiedene |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Wallis | 51,6 % | 644 | 11,8 % |
| 2 | Jura | 48,4 % | 167 | 12,8 % |
| 3 | Freiburg | 48,2 % | 600 | 11,5 % |
| 4 | Genf | 48,1 % | 1’140 | 12,7 % |
| 5 | Waadt | 45,8 % | 1’505 | 11,7 % |
| 6 | Tessin | 44,1 % | 588 | 11,7 % |
| 7 | Neuenburg | 43,6 % | 361 | 14,1 % |
| 8 | Solothurn | 43,0 % | 533 | 11,8 % |
| 9 | Thurgau | 43,0 % | 508 | 11,4 % |
| 10 | Schaffhausen | 42,6 % | 171 | 11,7 % |
| 11 | Aargau | 40,0 % | 1’279 | 10,9 % |
| 12 | Basel-Stadt | 37,7 % | 367 | 11,9 % |
| 13 | St. Gallen | 37,1 % | 906 | 10,9 % |
| 14 | Basel-Landschaft | 37,0 % | 515 | 11,4 % |
| 15 | Luzern | 36,7 % | 739 | 9,8 % |
| 16 | Bern | 36,4 % | 1’755 | 11,5 % |
| 17 | Zürich | 36,1 % | 2’807 | 10,9 % |
| 18 | Schwyz | 34,8 % | 292 | 10,9 % |
| 19 | Graubünden | 34,1 % | 284 | 11,0 % |
| 20 | Obwalden | 33,7 % | 70 | 9,5 % |
| 21 | Glarus | 33,6 % | 85 | 11,3 % |
| 22 | Appenzell Ausserrhoden | 33,1 % | 118 | 11,8 % |
| 23 | Appenzell Innerrhoden | 32,0 % | 23 | 8,8 % |
| 24 | Zug | 30,6 % | 189 | 10,3 % |
| 25 | Nidwalden | 28,5 % | 72 | 10,8 % |
| 26 | Uri | 19,1 % | 47 | 7,8 % |
| Schweiz | 39,8 % | 15’765 | 11,3 % |
Quelle: BFS, Tabelle «Zusammengefasste Scheidungsziffer nach Kanton, 1984-2024» und «Scheidungen nach Kanton, 1970-2025». Anteil Geschiedene: Personen ab 20 Jahren mit Zivilstand geschieden, 2025, eigene Berechnung aus STATPOP. Kantonale Ziffern für 2025 sind noch nicht veröffentlicht. In kleinen Kantonen schwanken die Werte stark.

Im Wallis liegt die Ziffer 2024 bei 51,6 %, in Uri bei 19,1 %. Dazwischen liegen Welten, und ein Muster: Die ersten vier Plätze belegen Kantone der Romandie (Wallis, Jura, Freiburg, Genf). Das ist kein Zufall eines Jahres. In jedem Jahr seit 2019 standen drei Westschweizer Kantone an der Spitze.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. In den fünf Jahren davor stand das Wallis nie ganz vorn, und im Schnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegen Freiburg (48,5 %) und Genf (48,0 %) knapp davor. Und Uri ist ein Ausreisser nach unten: In den Jahren davor lag der Kanton zwischen 26,7 % und 32,8 %, und 2024 gab es dort genau 33 Scheidungen. Am tiefsten bleibt Uri trotzdem.
Die Zahl, die mich am meisten überrascht hat: 1984 lag das Wallis bei 15,9 %. Genf stand damals schon bei 45,8 %. In vierzig Jahren hat das Wallis Genf eingeholt und überholt.
Ja, fast. Das BFS zählt die Scheidungen nach Ehedauer, Jahr für Jahr. 2024 fielen die meisten Scheidungen tatsächlich ins siebte Ehejahr (759). 2025 lag das neunte Ehejahr vorn (732), vor dem siebten (691) und dem achten (683).
Die ehrliche Antwort ist also: Es gibt kein einzelnes verflixtes Jahr, sondern eine heikle Phase vom siebten bis zum neunten Ehejahr. Danach sinkt die Zahl nur sehr langsam. Im sechzehnten Ehejahr wurden 2025 immer noch 600 Ehen geschieden. Auch das Risiko pro Ehe ist laut BFS zwischen fünf und neun Ehejahren am höchsten. Übrigens: 1990 lag der Höhepunkt viel früher, im vierten Ehejahr.
Das verflixte siebte Jahr dauert in der Schweiz drei Jahre.
Das ist die grösste Veränderung, und über sie wird am wenigsten gesprochen. 1970 betrafen 15,5 % der Scheidungen Paare mit 20 oder mehr Ehejahren. 2025 sind es 32,5 %. Nach 30 oder mehr Ehejahren wurden 1970 genau 191 Ehen geschieden, 2025 waren es 1’710. Das ist neunmal mehr, während sich die Gesamtzahl der Scheidungen nur gut verdoppelt hat.
Entsprechend steigt die durchschnittliche Ehedauer bei der Scheidung: von 11,6 Jahren (1970) auf 15,8 Jahre (2024), den höchsten Wert der Reihe. Und das Alter: Männer sind bei der Scheidung im Schnitt 50,8 Jahre alt, Frauen 46,2. 1984 waren es 40,8 und 37,3 Jahre.
Anders gesagt: 2025 war fast jeder zweite Mann bei der Scheidung 50 oder älter (47,2 %). 1990 war es jeder sechste (16,3 %).
Bei 48,5 % der Scheidungen von 2025 waren minderjährige Kinder betroffen, insgesamt 12’567 Kinder. 1970 lag der Anteil noch bei 60,3 %. Auch das passt ins Bild: Wer sich später scheiden lässt, hat öfter schon erwachsene Kinder.
Eurostat vergleicht die Länder mit der rohen Scheidungsziffer, also Scheidungen pro 1’000 Einwohner. 2024 kam die Schweiz auf 1,8, Österreich auf 1,6, Italien auf 1,3, die EU im Schnitt auf 1,6. Für Deutschland stammt der letzte Wert von 2021: 1,7, im selben Jahr hatte die Schweiz 2,0. Die Schweiz liegt also leicht über dem Schnitt, aber nicht an der Spitze.
Im Internet liest man oft, die meisten Scheidungen würden von Frauen eingereicht. Für die Schweiz gibt es dazu keine amtliche Zahl. Das BFS erfasst es nicht. Bekannt ist nur, dass 2010 gut neun von zehn Scheidungen (94,1 %) auf gemeinsames Begehren erfolgten. Seit der Umstellung des Registers im Jahr 2011 wird auch das nicht mehr ausgewiesen. Wer eine Prozentzahl nennt, hat sie nicht vom BFS.
Eine Scheidung ist kein Schlusspunkt. Bei 24,2 % der Heiraten von 2025 war mindestens eine der beiden Personen schon einmal geschieden. Fast jede vierte Hochzeit ist also für jemanden die zweite Chance. In der Schweiz leben 829’453 Menschen mit dem Zivilstand «geschieden».
Das erklärt, warum die Partnersuche in der zweiten Lebenshälfte so gewachsen ist. Wer mit 50 neu anfängt, ist nicht die Ausnahme, sondern statistisch der Normalfall unter den Geschiedenen. Welche Plattformen sich an diese Altersgruppe richten, steht unter Partnersuche ab 50. Wer gezielt eine feste Beziehung sucht, findet die Auswahl unter Seriöse Partnersuche. Und wie viele Menschen in der Schweiz überhaupt ohne Partner leben, zeigt Singles in der Schweiz.
Die zusammengefasste Scheidungsziffer lag 2025 bei 39,1 % (provisorisch), 2024 bei 39,8 %. Laut dem Bundesamt für Statistik enden damit rund zwei von fünf Ehen mit einer Scheidung. 2025 wurden 15’765 Ehen geschieden.
Nein, nicht mehr. Über 50 % lag die Scheidungsziffer nur in einzelnen Jahren, etwa 2005 (52,6 %) und im Rekordjahr 2010 (54,4 %). Laut BFS waren das Folgen von Änderungen im Scheidungsrecht. Seit 2011 liegt der Wert zwischen 38 % und 43 %.
2024 im Wallis mit 51,6 %, vor dem Jura (48,4 %), Freiburg (48,2 %) und Genf (48,1 %). Am tiefsten liegt Uri mit 19,1 %. Im Schnitt der Jahre 2019 bis 2024 liegen Freiburg und Genf knapp vor dem Wallis.
Fast. 2024 fielen die meisten Scheidungen ins siebte Ehejahr, 2025 ins neunte. In den Zahlen des BFS zeigt sich eine heikle Phase vom siebten bis zum neunten Ehejahr, danach sinkt die Zahl der Scheidungen nur langsam.
Im Schnitt nach 15,8 Jahren (2024), 1970 waren es 11,6 Jahre. 32,5 % der Scheidungen von 2025 betrafen Paare, die 20 Jahre oder länger verheiratet waren.
Männer im Schnitt 50,8 Jahre, Frauen 46,2 Jahre (BFS, 2024). 1984 waren es 40,8 und 37,3 Jahre.
Ja, viele. Bei 24,2 % der Heiraten von 2025 war mindestens eine der beiden Personen schon einmal geschieden.
Ja. Die Zahlen stammen vom Bundesamt für Statistik und sind öffentlich. Die Infografik und die Berechnungen von Herzquote dürfen Sie übernehmen, wenn Sie Herzquote als Quelle nennen und auf diese Seite verlinken.