
Wo findet man in der Schweiz heute jemanden? Im Ausgang, im Verein, bei der Arbeit, auf dem Handy? Dazu gibt es eine Menge Meinungen und genau eine gute Zahlenquelle: das Bundesamt für Statistik (BFS). Alle fünf Jahre fragt es Tausende von Menschen, wie sie ihre Partnerin oder ihren Partner kennengelernt haben.
Ich habe die Tabelle auseinandergenommen, mit der Erhebung davor und mit der Forschung der Universität Genf verglichen. Das Ergebnis vorweg: Das Internet hat fast zum Freundeskreis aufgeschlossen. Und es hat dabei nicht den Freundeskreis verdrängt, sondern die Bar.
Die wichtigsten Werte der Erhebung und was die Forschung dazu sagt. Rechts dieselben Zahlen als Infografik, zum Teilen und Einbinden.
| Online kennengelernt | 26,9 % Beziehungsbeginn in den letzten 5 Jahren |
|---|---|
| Online kennengelernt, früher | 2,6 % Beziehungsbeginn vor mehr als 15 Jahren |
| Wichtigster Weg | Freundes- und Bekanntenkreis, 28,0 % früher 31,3 % |
| Abstand Freundeskreis zu Internet | 1,1 Prozentpunkte eigene Berechnung |
| Schule, Ausbildung, Arbeit | 18,8 % früher 22,8 % |
| Bar, Disco, Konzert, Fest | 8,1 % früher 17,9 %, mehr als halbiert |
| Hobby, Verein, Sport | 7,9 % früher 8,4 %, praktisch stabil |
| Über Verwandte | 1,9 % früher 5,5 % |
| Stand 2018 | «jedes fünfte» neue Paar online BFS, Erhebung 2018 |
| Apps überholen Webseiten | seit 2016 Gina Potarca, Universität Genf |
| In einer Paarbeziehung | 73 % der 18- bis 80-Jährigen BFS 2023 |
| Grundlage | 18’317 gültige Interviews April bis Juli 2023, Stichprobe von 33’204 Personen |
| Rhythmus | alle fünf Jahre 2013, 2018, 2023 |
Quellen: BFS, Erhebung zu Familien und Generationen 2023 und 2018; Gina Potarca, PLOS ONE 2020. Veränderungen in Prozentpunkten: eigene Berechnung.

Das BFS nennt seine Befragung «Erhebung zu Familien und Generationen». Die letzte Runde lief von April bis Juli 2023. Aus einer Zufallsstichprobe von 33’204 Personen kamen 18’317 gültige Interviews zusammen. Das ist keine Umfrage eines Dating-Portals mit 1’000 Klicks. Es ist eine amtliche Zufallsstichprobe, und eine grössere Erhebung zu diesem Thema kenne ich in der Schweiz nicht.
Sie liefert eine Zahl, die ich seither nicht mehr vergesse: 26,9 %. So viele der Paare, die in den letzten fünf Jahren zusammengekommen sind, haben sich über eine Dating-App, eine Online-Partnervermittlung oder ein soziales Netzwerk kennengelernt.
Bei Paaren, die seit mehr als 15 Jahren zusammen sind, waren es 2,6 %. Eine Verzehnfachung innerhalb einer Generation.

| Art des Kennenlernens | letzte 5 Jahre | vor über 15 Jahren | Veränderung |
|---|---|---|---|
| im Bekannten- oder Freundeskreis | 28,0 % | 31,3 % | −3,3 Punkte |
| Dating-App, Online-Partnervermittlung, soziale Netzwerke | 26,9 % | 2,6 % | +24,3 Punkte |
| Schule, Ausbildung, Arbeit | 18,8 % | 22,8 % | −4,0 Punkte |
| anderes | 8,5 % | 11,4 % | −2,9 Punkte |
| Bar, Disco, Konzert, Stadt- oder Dorffest | 8,1 % | 17,9 % | −9,8 Punkte |
| Hobby, Verein, Sport | 7,9 % | 8,4 % | −0,5 Punkte |
| über Verwandte | 1,9 % | 5,5 % | −3,6 Punkte |
Quelle: BFS, Erhebung zu Familien und Generationen 2023, Grafik G3 «Art, wie man die Partnerin oder den Partner kennengelernt hat», Personen von 18 bis 80 Jahren. Veränderung in Prozentpunkten: eigene Berechnung.

Was mich an dieser Tabelle am meisten überrascht hat: Das Internet hat den Freundeskreis nicht verdrängt. Der liegt mit 28,0 % immer noch vorn, nur 3,3 Punkte unter dem Wert von früher. Wer über Freunde jemanden kennenlernt, tut das heute fast genauso oft wie vor 15 Jahren.
Verloren hat der Ausgang. Bar, Disco, Konzert, Dorffest: von 17,9 % auf 8,1 %. Mehr als halbiert. Das BFS schreibt es selbst: Der Anteil an Personen, die sich in einer Bar oder an einem Fest kennengelernt haben, hat «stark abgenommen».
Auch die Verwandtschaft als Kupplerin ist fast verschwunden: 1,9 % statt 5,5 %. Die Tante, die «jemanden Nettes kennt», hat ausgedient. Nur der Verein bleibt, wo er war: 7,9 % statt 8,4 %.
Das Internet hat nicht den Freundeskreis ersetzt. Es hat die Bar ersetzt.
Wie schnell geht das? Die Erhebung von 2018 gibt einen Anhaltspunkt. Damals schrieb das BFS: Bei den in den letzten fünf Jahren gebildeten Paaren hat sich «jedes fünfte über das Internet kennengelernt». Fünf Jahre später ist es mehr als jedes vierte.
Eine Einschränkung gehört dazu: Das BFS hat 2023 die Methode umgestellt, 92 % der Interviews liefen online. Die Ergebnisse sind laut BFS deshalb nur bedingt mit 2013 und 2018 vergleichbar. Die Richtung ist trotzdem eindeutig, und sie zeigt seit Jahren nur nach oben.
Die Soziologin Gina Potarca von der Universität Genf hat die Erhebung von 2018 wissenschaftlich ausgewertet (PLOS ONE, 2020). Ihre Stichprobe: 3’245 Personen in einer Partnerschaft, die in den zehn Jahren davor begonnen hatte. Drei Ergebnisse, die ich wichtig finde:
Das deckt sich mit den BFS-Zahlen von 2023. Zwei unabhängige Auswertungen, dasselbe Bild.
Wer heute in der Schweiz jemanden sucht, hat statistisch zwei etwa gleich gute Wege: den Freundeskreis und das Internet. Alle anderen liegen deutlich dahinter. Wer auf den Zufall in der Bar setzt, setzt auf einen Weg, der sich in 15 Jahren mehr als halbiert hat.
Das Schöne daran: Die beiden Wege schliessen sich nicht aus. Den Freundeskreis kann man nicht herunterladen, eine Plattform schon. Welche in der Schweiz tatsächlich genutzt werden, zeigt die Rangliste. Wer eine feste Beziehung sucht, findet die passende Auswahl unter Seriöse Partnersuche, und wer über 50 ist, unter Partnersuche ab 50.
26,9 % der Paare, die in den letzten fünf Jahren zusammengekommen sind. Das zeigt die Erhebung zu Familien und Generationen 2023 des Bundesamts für Statistik. Bei Paaren, die seit mehr als 15 Jahren zusammen sind, waren es 2,6 %.
Im Freundes- und Bekanntenkreis, mit 28,0 %. Das Internet folgt mit 26,9 %, danach kommen Schule, Ausbildung und Arbeit mit 18,8 %.
Seltener als früher. 8,1 % der neuen Paare haben sich in einer Bar, einer Disco, an einem Konzert oder an einem Fest gefunden. Bei Paaren von vor mehr als 15 Jahren waren es 17,9 %.
Laut der Auswertung von Gina Potarca (Universität Genf) sind Dating-Apps in der Schweiz seit 2016 der wichtigste Online-Weg, vor den klassischen Dating-Webseiten. Das BFS selbst fasst Apps, Partnervermittlungen und soziale Netzwerke in einer Kategorie zusammen.
Sehr. Das BFS hat eine Zufallsstichprobe von 33’204 Personen gezogen und 18’317 gültige Interviews erhalten. Wegen der Umstellung der Methode sind die Ergebnisse von 2023 nur bedingt mit 2013 und 2018 vergleichbar, das sagt das BFS selbst.
Ja. Die Zahlen stammen vom Bundesamt für Statistik und sind öffentlich. Die Infografik und die Berechnungen von Herzquote dürfen Sie übernehmen, wenn Sie Herzquote als Quelle nennen und auf diese Seite verlinken.