
Ein Dating-Profil auszufüllen fühlt sich an wie eine Bewerbung, bei der man nicht weiss, wer sie liest. Also lädt man ein Foto hoch, schreibt nichts in den Text und eröffnet jedes Gespräch mit «Hey». Das machen sehr viele so. Und genau deshalb lohnt es sich, es anders zu machen.
Zu diesem Thema gibt es erstaunlich gute Daten: Forschende haben Hunderttausende Tinder-Profile ausgewertet, eine Studie in «Science Advances» hat den Nachrichtenverkehr einer ganzen Plattform analysiert. Vorweg die ehrliche Einschränkung: Gemessene Zahlen aus der Schweiz gibt es dazu keine. Die Studien stammen aus Grossbritannien und den USA, die Umfragen aus Deutschland. Ich schreibe es jedes Mal dazu.
Alle Werte, auf die sich die Tipps stützen, mit Herkunft. Rechts dieselben Zahlen als Infografik, zum Teilen und Einbinden.
| Drei Fotos statt eines (Mann) | 238 statt 44 Matches in vier Stunden Tinder-Experiment, Tyson et al. 2016 |
|---|---|
| Drei Fotos statt eines (Frau) | +37 % Matches dieselbe Studie |
| Kurzer Profiltext statt leerem Feld | 69 statt 16 Matches von Frauen dieselbe Studie |
| Tinder-Profile ohne Text | 36 % von 480’000 erfassten Profilen |
| Lächeln auf dem Profilfoto | finden 92 % gut Parship-Mitglieder, Deutschland, Österreich, Schweiz, 2023 |
| Fotos mit Statussymbolen | finden 7 % gut dieselbe Umfrage |
| Rechtschreibung ist wichtig | 84 % Frauen 92 %, Männer 76 %, Deutschland, 2017 |
| Erste Nachricht mit einer Frage | kommt bei 92 % gut an Deutschland, 4’104 Befragte, 2020 |
| Erste Nachricht: nur «Hey» | kommt bei 28 % gut an Frauen 21 %, Männer 34 % |
| Wer zuerst schreibt | über 80 % der ersten Nachrichten stammen von Männern Bruch und Newman 2018, USA |
| Antwortquote der Frauen | unter 20 % dieselbe Studie |
| Länge der ersten Nachricht auf Tinder | Männer 12 Zeichen, Frauen 122 Median, Tyson et al. 2016 |
Quellen: Tyson, Perta, Haddadi und Seto, «A First Look at User Activity on Tinder», 2016; Bruch und Newman, «Aspirational pursuit of mates in online dating markets», Science Advances, 2018; Umfragen unter Parship-Mitgliedern, Innofact AG, 2017, 2020 und 2023. Die Umfragen zeigen, was Befragte sagen, nicht, was gemessen wurde.

Forschende der Queen Mary University in London haben 2016 Testprofile auf Tinder gestellt und gezählt, was passiert. Ein männliches Profil mit einem Foto kam in vier Stunden auf 44 Matches. Mit drei Fotos waren es 238. Beim weiblichen Profil brachte der Schritt von einem auf drei Fotos 37 % mehr Matches.
Das Experiment war klein, zwei Profile in New York. Aber die Richtung ist deutlich, und Bumble berichtet aus den eigenen Daten dasselbe: Profile mit sechs Fotos erhalten fast doppelt so häufig Likes wie solche mit drei. Ein einzelnes Foto sagt «ich bin mir nicht sicher, ob ich hier sein will». Mehrere sagen: Hier ist ein Mensch mit einem Leben.

Parship hat 2023 rund 2’300 Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefragt, welche Fotos ihnen gefallen. In einem Punkt sind sich fast alle einig: 92 % finden, ein Profilfoto gewinnt, wenn die Person lächelt. Ganzkörperfotos mögen 76 %, Bilder in der Natur oder aus den Ferien 71 %, bei den Frauen sogar 76 %.
Am anderen Ende: Fotos mit Statussymbolen wie teuren Autos oder Uhren gefallen 7 %, ein unordentlicher Hintergrund 9 %, Gym-Selfies mit freiem Oberkörper 11 %. Das ist eine Umfrage unter Mitgliedern einer Partnervermittlung, keine Messung. Aber wenn neun von zehn dasselbe sagen, darf man es glauben.
Das ist die Zahl, die mich am meisten überrascht hat. Im Tinder-Experiment kamen die männlichen Testprofile ohne Text im Schnitt auf 16 Matches von Frauen. Mit einem kurzen Text waren es 69, also gut viermal so viele. Und der Text war banal: ein Hallo und der Hinweis, dass man aus London ist.
Trotzdem hatten 36 % der 480’000 erfassten Profile gar keinen Text. Wer das Feld ausfüllt, hebt sich also schon von einem Drittel ab. Tinder selbst nennt als Richtwert 15 bis 45 Wörter. Schreiben Sie, was Sie an einem Sonntag gern tun. Das ist konkreter als jede Liste von Eigenschaften, und es liefert dem Gegenüber einen Aufhänger für die erste Nachricht.
In einer Parship-Umfrage von 2017 (3’269 Singles in Deutschland) sagen 84 %, dass ihnen korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung wichtig sind. Bei den Frauen sind es 92 %, bei den Männern 76 %. In einer Umfrage von 2022 finden 64 % der Frauen, viele Fehler zeugten von mangelnder Seriosität.
Niemand erwartet Literatur. Aber ein Text, den man vor dem Absenden einmal durchliest, zeigt: Hier hat sich jemand eine Minute Zeit genommen. Genau das ist die Botschaft.
Ein Hallo und der Wohnort im Profil: viermal so viele Matches. Billiger wird Dating-Erfolg nicht mehr.
Parship hat 2020 über 4’000 Singles in Deutschland gefragt, auf welche erste Nachricht sie antworten würden. Beginnt sie mit einer Frage, kommt das bei 92 % gut an. Genauso viele mögen es, wenn sich die Nachricht auf ihr Profil bezieht. Ein blosses «Hey» oder «Hallo, wie geht’s?» gefällt dagegen nur 28 %, bei den Frauen 21 %.
Die Realität sieht anders aus. Auf Tinder ist die erste Nachricht eines Mannes im Median 12 Zeichen lang, ein Viertel hat weniger als sechs Zeichen. Bei Frauen sind es 122 Zeichen. Die einfachste Art, aufzufallen, ist also ein ganzer Satz. Zum Beispiel eine Frage zu dem, was im Profil steht. Dafür haben Sie in Tipp 3 den Aufhänger geliefert bekommen, und Ihr Gegenüber hoffentlich auch.
Die grösste Studie zum Thema stammt von Elizabeth Bruch und Mark Newman (Science Advances, 2018). Sie haben einen Monat lang den Nachrichtenverkehr einer grossen Plattform in vier US-Städten ausgewertet. Ergebnis: Über 80 % der ersten Nachrichten kommen von Männern, und Frauen antworten im Schnitt auf weniger als 20 %. Die beliebteste Nutzerin, eine 30-Jährige in New York, bekam in diesem Monat 1’504 Nachrichten. Das ist eine alle 30 Minuten, Tag und Nacht.
Für Männer heisst das: Eine ausbleibende Antwort ist kein Urteil über Sie. Sie ist Statistik. Für Frauen steckt darin eine Chance: Nachrichten von Frauen erhalten laut derselben Studie häufiger eine Antwort als jene von Männern. Wer zuerst schreibt, sucht aus, statt auszusortieren.
Dieselbe Studie zeigt: Männer wie Frauen schreiben im Schnitt Personen an, die rund 25 % begehrter sind als sie selbst, gemessen an den Nachrichten, die jemand erhält. Das ist menschlich. Es hat aber seinen Preis: Bei Nachrichten von Männern «nach oben» steigt die Antwortquote nie über 21 %. Von Frauen, die weniger begehrt sind als sie selbst, erhalten Männer mehr als doppelt so oft eine Antwort.
Die Forschenden halten aber auch fest, dass die Chance nie null ist. Mein Schluss daraus: Schreiben Sie dem Profil, das Sie umhaut. Und schreiben Sie daneben auch denen, bei denen es einfach passen könnte. Wer nur nach oben zielt, braucht viel Geduld.
Ein gutes Profil nützt dort am meisten, wo auch Leute sind. Welche Plattformen in der Schweiz tatsächlich genutzt werden, zeigt die Rangliste. Wer gezielt eine feste Beziehung sucht, findet die Auswahl unter Seriöse Partnersuche. Und wenn das Profil Wirkung zeigt, geht es hier weiter: Das erste Date: 8 Tipps.
Mindestens drei. In einem Tinder-Experiment von 2016 kam ein männliches Profil mit einem Foto auf 44 Matches in vier Stunden, mit drei Fotos auf 238. Bumble berichtet aus eigenen Daten, dass Profile mit sechs Fotos fast doppelt so häufig Likes erhalten wie solche mit drei.
Ja. Im selben Experiment erhielten männliche Profile ohne Text im Schnitt 16 Matches von Frauen, mit einem kurzen Text 69. Trotzdem hatten 36 % der erfassten Tinder-Profile keinen Text.
Eine Frage, am besten zu etwas aus dem Profil. In einer Parship-Umfrage von 2020 in Deutschland kommt das bei 92 % gut an. Ein blosses «Hey» gefällt nur 28 %, bei den Frauen 21 %.
Weil das der Normalfall ist. Laut einer Studie in Science Advances (2018) stammen über 80 % der ersten Nachrichten von Männern, und Frauen antworten im Schnitt auf weniger als 20 %. Eine ausbleibende Antwort sagt wenig über Sie aus.
Gemessene Daten aus der Schweiz gibt es dazu nicht. Die Studien stammen aus Grossbritannien und den USA, die Umfragen aus Deutschland, eine davon mit Befragten aus der Schweiz. Die Grössenordnungen dürften übertragbar sein, die genauen Werte nicht.